Heilpädagogische Spielbehandlung/Spieltherapie

Die Spieltherapie gehört zu den wichtigsten Aufgaben der Heilpädagogik. Es geht darum einen Raum zu schaffen, wo das Kind durch Gestalten und Spiel seine Ausdruckskräfte entwickeln kann und mit wertschätzender und verlässlicher Anteilnahme, Empathie und persönlichem Engagement begleitet wird.

Prinzipiell unterscheidet man direkte und non-direkte Spieltherapie. In der direkten Spieltherapie geschehen die Prozesse unter Leitung und Verantwortung der Heilpädagogin, bei der non-direktiven Spieltherapie werden Leitung und Verantwortung dem Kind selbst überlassen. Spieltherapie ist eine entlastende und heilende Methode die dem Kind hilft, schwierige Lebenssituationen bzw. individuelle Probleme im Spiel auszudrücken bzw. dazustellen, seine Überforderung sichtbar zu machen und eine für das Kind akzeptable Lösung zu finden.

Ein Spiel kann alleine, gemeinsam mit einem anderen Kind/Erwachsenen oder in einer Gruppe gespielt werden.

In allen drei Formen können unter bestimmten Bedingungen entwicklungsfördernde und therapeutische Prozesse auftreten.

Im personenzentrierten Konzept der Spieltherapie ist Empathie ein zentraler Begriff. Empathie meint, dass die Heilpädagogin einfühlend versteht und wiedergibt, was das Kind fühlt. In den Spielstunden inszeniert das Kind Beziehungsmuster. Es bedient sich dazu verschiedener Medien, die über die Sprache hinausgehen, in der Regel des Spielens. Die Heilpädagogin gibt Resonanz in der Interaktion. Dabei ist sie auf verbaler Ebene empathisch und feinfühlig, stimmt sich auf Affekte ein und spiegelt das kindliche Handeln.

  • Förderung von seelischen Wachstums- bzw. Entwicklungsprozessen. Dazu gehört insbesondere der Ausbau und die Entwicklung von bestimmten Fertigkeiten des Selbstsystems u.a. Selbstwirksamkeit, Selbstbehauptung, Selbstwertschätzung (Selbstakzeptanz)
  • Selbsterkenntnis bzw. Selbstbewusstsein, affektives und senso-motorisches Selbsterleben
  • Problemlösende Informationsverarbeitung

Was wird gemacht? Was sind Inhalte der Spieltherapie?

Nicht Worte, sondern Handlungen stehen im Mittelpunkt der Spieltherapie, die sich verschiedensten Spielformen zu Nutze macht.

Funktionsspiele wie schaukeln, Pedalo, Seifenblasen, Klettern und Balancieren, fördern neben anderen Bereichen vor allem die Wahrnehmung und die Motorik.

Im Konstruktionsspiel beim Bauen lernt das Kind zu planen, sich zu organisieren, Ziele zu entwickeln. Es beginnt seine Leistungen zu bewerten, entwickelt Frustrationstoleranz und eignet sich eigene Bewältigungsstrategien an.

Auch Kreatives Malen und Gestalten als wichtiges kindliches Ausdrucksmittel findet seinen Platz in der Therapie. Feinmotorische und graphomotorische Fertigkeiten, die dabei gefördert werden, sind wichtige Grundlagen für die Schule.
Im Rollenspiel lernt das Kind sozial verbindliche Verhaltensregeln wie Normen, Werte und Grenzen anhand von Interaktion und Kommunikation kennen. Es hat die Möglichkeit, soziale Fähigkeiten wie Empathie zu entwickeln. Im Spiel verarbeitet das Kind Erlebtes, kann Konfliktlösungsstrategien erproben und sich aneignen, ein positives Selbstbild aufbauen und vieles mehr.
Im Regelspiel, die meist auf dem Tisch gespielt werden (Kartenspiele, Würfelspiele,... ) erlernt das Kind nicht nur allgemein gültige Regeln und Grenzen. Es erfährt zudem eine Steigerung des Selbstwertgefühls und entwickelt dabei auch eine angemessene Frustrationstoleranz. Wichtig für den Lerneffekt sind die Wiederholungen im Spiel und die Orientierung am individuellen Tempo des Kindes.

Durch seine personenzentrierten Grundannahmen beeinflusste Carl Rogers (1902 – 1987) maßgeblich die professionelle Haltung des Therapeuten in der Spieltherapie, welches der heilpädagogischen Haltung voll entspricht.

Es ist gekennzeichnet durch drei wesentliche Therapeutenmerkmale der Beziehung:

  1. Empathie

Durch einfühlsames und nicht wertendes Verstehen von verbalen Äußerungen, Körperhaltungen, Spielinhalten oder emotionalen Stimmungen gelingt es, die innere Erlebniswelt des Kindes mit dessen Augen zu sehen und deren Bedeutung im Lebenskontext nachzuvollziehen. Von der Therapeutin  erfordert dies eine größtmögliche Aufmerksamkeit und Achtsamkeit gegenüber den Denk-, Handlungs- und Gefühlsvorgängen, die das Kind "mit-teilt" und mitbringt.

  1. Wertschätzung und Akzeptanz

Die bedingungslose Annahme des Kindes zeigt sich gerade in Stress- und Krisensituationen als bedeutungsvoll. Dies setzt voraus, dass unangemessene Verhaltensweisen als „normale Reaktion in einer unnormalen Situation“ gesehen werden.

  1. Kongruenz und Echtheit

Die Therapeutin ist im Aufbau einer authentischen Kommunikation und positiven Beziehung gefordert, aufrichtig, offen und verlässlich für das Kind zu agieren. Dies ermöglicht dem Kind, Vertrauen zu fassen und Sicherheit zu gewinnen, um sich selbst zu öffnen.

Diese grundlegenden Merkmale in der heilpädagogischen Arbeit mit dem Kind und seinem sozialen Umfeld ermöglicht die Entwicklung eines positiven Selbstkonzeptes, der Selbstakzeptanz und der Selbstkontrolle. Erfolgserlebnisse werden mit Hilfe neuer Strategien spürbar, das Kind kann sich selbst als aktiven Teil der Gruppe erleben und die eigenen Identität wird gestärkt. Dabei spielen vorhandene Ressourcen und eigene Kräfte zur Selbstaktualisierung eine wichtige Rolle, um zur sozialen Zufriedenheit zu finden und die Teilhabe in Gruppengefüge zu ermöglichen. Reifung benötigt viel Zeit, Ausdauer und Geduld, um den inneren Prozess des Kindes in unterschiedlichen Ebenen zu begegnen.

Das Wagnis, neue Wege zu gehen und dabei Veränderungen in Gang zu bringen, bringt oft auch Unsicherheit und Unklarheit mit sich. Diese Übergangsphase ist eine sensible Zeit, in der die Beteiligten Vertrauen in sich selbst und in die Mitmenschen aufbauen müssen. Eine empathische, sicherheitsspendende und stärkende Unterstützung in den Gesprächen und im Spiel wird notwendig, um ein neues Gleichgewicht im System herzustellen. So wie sich ein Mobile verändert, wenn man ein Teil in Bewegung bringt, so verändert die heilpädagogische Spielbehandlung/Spieltherapie das Kind in seinem Familiensystem.

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